Wildformen heimischer Körnerpflanzen (Cannabis ruderalis und Papaver setigerum)

Andreas | Pflanzen | Freitag, Juni 1st, 2007

Neulich habe ich beim Sortieren von Pflanzenbildern ein par interessante Aufnahmen gefunden. Es sind Bilder von Cannabis ruderalis und Papaver setigerum.

Cannabis ruderalis wird von manchen Botanikern als möglicher Urahn der kultivierten Hanfpflanze (Cannabis sativa) angesehen. Andere Wissenschaftler sehen ihn als Unterart von Cannabis sativa. Auf jeden Fall hat die Pflanze eine ganze Reihe Eigenschaften die für die Theorie einer eigenen Art sprechen würden. Aber mal ehrlich eigene Art oder nicht, der Pflanze ist das ziemlich egal. Die Bilder entstanden in Sibirien wo dieeser Hanf ursprünglich beheimatet ist.

Ganz links kann man gut erkennen wie die Samen sich von selbst aus ihrer Hülle lösen und so leicht verbreiten können. In der Mitte ist die verdickte Samenbasis zu erkennen die ein wichtiges Bestimmungsmerkmal der Art ist. Rechts abgebidet sind die winzigen, etwa 1 cm hohen Sämlinge die erst nach Kälteeinwirkung im Winter keimen.

Die Wuchsform ist niedrig, etwa 30-70cm und wenig verzweigt. Links ist ein recht stattliches ausgewachsenen Exemplar zu sehen.

Die Blätter haben meistens nur fünf Finger und die die gezackten Blattränder sind leicht abgerundet. Daneben sind blühende weibliche Pflanzen zu sehen.

Die anderen Fotos wurden in der Nähe von Pisa in Italien aufgenommen. Sie zeigen Papaver setigerum, den Borstenmohn, der als wilder Vorfahre des kultivierten Mohns angesehen wird. Auch hier sind sich die Experten uneinig ob es sich um eine eigene Art oder nur Unterart (Papaver somniferum ssp. setigerum) des als Nahrungs- und Arzneipflanze angebauten Schlafmohns handelt. Für die Theorie der eigenen Art würde die Tasache sprechen, daß beide Pflanzen sich in ihrem Chromosomensatz unterscheiden.

Ganz links sind die borstigen Blattzipfel zu sehen, die der Pflanze ihren Namen geben. Der Borstenmohn ist von niedriger und zierlicher Statur, die Pflanzen auf den Fotos sind maximal 50 cm hoch.

Die Samenkapseln sind oval und nur ca 1cm hoch. Die Blüte ähnelt sehr der violetten Form des Schlafmohns.

6 Comments »

  1. Übreigens ist es in vielen Ländern (auch Deutschland) gesetzlich verboten Papaver setigerum und somniferum sowie Cannabis spp. (ebenso wie Erythroxylum coca) anzubauen. Neben der Nutzung als Nahrungspflanze haben Hanf und Mohn auch eine lange Tradition als Genußmittel.

    Comment by Andreas — 21. Juni 2007 @ 16:28

  2. Tolle Bilder! Habe bisher vergeblich im Netz nach solchen Aufnahmen gesucht. Danke! Der „echte“ Ruderalis, wie ihn Janischewsky beschrieben hat ist ja scheinbar eine Seltenheit. Meistens handelt es sich bei wildem Hanf wohl um verwilderten Nutzhanf.

    Comment by Daniel — 25. Juni 2008 @ 12:22

  3. Ja, tatsächlich ist Cannabis sativa L. subsp. spontanea Serebr. nicht identisch mit dem von Janischewsky beschriebenem „Cannabis ruderalis“ der auch Cannabis sativa L. subsp. ruderalis Janisch. genannt wird. Interessant wäre auch zu wissen was es mit der forma jacutensis auf sich hat, die laut Beschreibung große Ähnlichkeit mit ruderalis haben könnte mit ihrer Maximalhöhe von 60 cm und der kurzen Vegetationszeit von ca 60 Tagen. Scheinbar erfolgt auch hier die Blüteninduktion nicht durch die Tageslänge.

    Comment by Andreas — 25. Juni 2008 @ 12:38

  4. Ich beschäftige mich seit ein paar Jahren mit Nutzhanfzüchtung (mit Anbaugenehmigung)und würde mir gerne C.ruderalis mal anschauen. Deshalb meine Frage: Kann mir jemand bei der Saatgutbeschaffung helfen?

    Comment by Karsten Kley — 24. November 2008 @ 01:09

  5. Die abgebildete Pflanze ist keineswegs P. setigerum, sondern ein borstenhaariger Typ von P. somniferum s.str.
    P. setigerum blüht bordeauxrot und ist viel stärker behaart. Er ähnelt mehr dem Klatsch-Mohn (P. rhoeas)

    Comment by Gregor Dietrich — 23. Februar 2009 @ 10:49

  6. ihr seid ja ein paar experten

    Comment by cam — 22. Oktober 2010 @ 17:41

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